Hochgebirgsjagd - Teil 2: Schießtechnische Vorbereitung


Ihre Waffe

Obwohl die Waffe sicherlich einen wichtigen Aspekt bei Ihrer Hochgebirgsjagd darstellt, soll an dieser Stelle mehr darauf hingewiesen werden wie Sie sich damit vertraut machen müssen um erfolgreich zu sein. Es versteht sich von selbst, dass die Schussdistanzen aufgrund der wenig vorhandenen Deckung und der hervorragenden Sinne von Boviden meist sehr weit sind. Daher wird ein Kaliber mit einer gewissen Mindestenergie benötigt. Wir empfehlen daher Kaliber ab 7mm. Rem Mag,  300 Win Mag oder vergleichbares. Eine ausreichende Schusspräzision von höchstens  einem MOA / ca. 2,5 cm auf 100m sind Voraussetzung für alles weitere Vorgehen.

Wer seine Waffe wie gewohnt auf 100m mit 4 cm Hochschuss im heimischen Schießstand einschießt, und unbedarft in den Flieger steigt wird sicherlich seine Chancen drastisch minimieren. Auch der Waidgerechtigkeit wegen, muss man sich vorher auf diese Distanzen herantasten und sich mit der Waffe verstraut machen. Eine Absehenschnellverstellung (ASV) oder Targettürme sind bei der Anpassung der vertikalen und horizontalen Abweichung  sicherlich von Vorteil, da die alleinige Kompensation der Geschossflugbahn nur durch eine Haltepunktkorrektur sehr ungenau ist.

Steinbockjagd

Das Training mit der Waffe kann in drei Phasen unterteilt werden:

Vertraut machen und testen verschiedener Laborierungen

In dieser Phase reicht die 100m Bahn vollkommen aus. Ziel ist es mit der Waffe vertraut zu werden, den Abzug kennenzulernen und evtl. die Angst vor dem Rückstoß zu verlieren („Mucken“ eliminieren). Jetzt gilt es auch, die richtige Munition zu wählen. Es sollte darauf geachtet werden, dass das verwendete Geschoss einen hohen ballistischen Koeffizienten aufweist, damit eine gestreckte Flugbahn auf weite Distanzen und weniger Windempfindlichkeit erreicht wird. Ferner sollte das Geschoss auch noch auf weite Distanzen ansprechen und im Wildkörper die nötige Wirkung erreichen. Achten Sie darauf, dass das verwendete Geschossgewicht auch zur Drallänge in Ihrem Lauf passt, da es sonst nicht richtig stabilisiert wird und keine ausreichende Präzision erreichen wird. Wenn Sie die passende Laborierung gefunden haben, die Charakteristik Ihrer Waffe im Schuss kennen und konstant unter einem MOA / 2,5 cm auf 100m schießen, dann sind Sie perfekt auf Phase zwei vorbereitet.

Einschießen Ihrer Waffe von 100 -  300m im Schießstand

Der nächste Schritt in der Vorbereitung ist das Einschießen der Waffe auf verschiedene Entfernungen bis 300m. Da Sie einen entsprechenden Streukreis mit der Waffe sicher halten, können Fehler Ihrerseits fast ausgeschlossen werden und Sie können Erfahrungen mit der Vertikalen Abweichung sammeln. Da Sie im Schießstand schießen, haben Sie noch keine Windabdrift. Notieren Sie sich Ihre Haltepunkte bzw. wie viel das Geschoss auf die jeweilige Entfernung fällt und lernen Sie die nötigen Korrektionen schnell und ohne viel zu denken zu erledigen. Wenn Sie gelernt haben Ihre ASV bzw. die Targettürme fehlerfrei zu bedienen und einen Streukreis von ca. 10 cm auf 300m konstant halten können Sie die letzte Phase beginnen.

Schießen der Waffe im Feld unter realen Bedingungen bis 400m

Bitte beachten Sie, dass an dieser Stelle nicht der extreme Schuss auf 400m propagiert werden soll. Der Zweck auf diese Weiten zu schießen ist es Ihre persönliche „Comfortzone“ zu vergrößern. Auch wenn Sie die vorherigen Trainingsphasen gemeistert haben, werden Sie sich wahrscheinlich wundern wie viel bei weiten Schüssen unter realen Bedingungen schief gehen kann.

Diese Phase läuft nicht mehr im Schießstand ab, sondern entweder in einem Revier (mit garantiertem absoluten Kugelfang und unter Ausschluss jeglicher Gefährdung für Außenstehende) oder auf einem Schießsportgelände. Ziel ist es nun auch Korrektionen für die Windabdrift richtig ausführen zu können und unter realen Bedingungen zu schießen. Wichtig ist hierbei auch, dass Sie mit der gleichen Auflage schießen werden wie während Ihrer Jagdreise. Der Treffpunkt kann sich bereits verlagern, wenn Sie normalerweise auf einem Sandsack/Rucksack auflegen und dann zu einem Zweibein wechseln. Dies ist mit der veränderten Schwingungsdynamik Ihrer Waffe während des Schusses zu erklären.

Das Ziel ist es hier nicht mehr viele Schüsse abzugeben und Ihre Waffe kennenzulernen (das sollten Sie schon erledigt haben), sondern wenige gezielte Schüsse abzugeben und diese zu dokumentieren. Wenn Sie die Bedingungen richtig interpretieren können und ein Ziel von der Größe eines DIN A5 Blattes konstant treffen sind Sie bereit. Ihre Maximale Schussdistanz ermittelt sich recht einfach daran, bis wie weit Sie sich absolut sicher fühlen und einen Treffer auf das vorher genannte Ziel praktisch garantieren können.


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